Ursache der Wissenschaft ist nicht Neugier, sondern Verwunderung Wissenschaft hat zwei Ursachen, die sie entstehen ließ: 1. der Wunsch, Methoden zur besseren Entfaltung menschlichen Lebens zu erfinden. Dies erfolgte ursprünglich mit Verfahrenstechnik. 2. das Bedürfnis, Klarheit über unser Leben und die Welt, in der es sich abspielt, zu gewinnen. Leben und Welt blieben rätselhaft, ungenügend verständlich und erweckten erschauernd erlebte Verwunderung über die sich um und in uns ereignenden Wunder. Aus diesem Bedürfnis entstand Religion, die später zu Philosophie rationaler präzisiert wurde.

Mit Bildung der neuzeitlichen Wissenschaft wurde 1. und 2. verquickt und gemäß 1. utilitaristisch umgeprägt. Der Ursprung in dem gemäß 2. über Verwendbarkeit hinaus gehenden Bedürfnis trat in der Wissenschaft zurück und blieb echt religiös oder philosophisch Eingestellten vorbehalten. Durch diese Vernachlässig des tief fundierten Hauptbedürfnisses dafür, wissen zu wollen, erfanden Wissenschaftler, denen dies Bedürfnis fehlt, als Ersatz für die Begründung nicht bloß auf Verwendbarkeit gerichteter theoretischer Wissenschaft einen angeblich nicht abstoppbaren Neugiertrieb, der befriedigt werden müsse, egal, was dabei, Heil oder Unheil, herauskomme. Eine solche nicht auch auf Wohlfahrtsproduktion eingestellte Begründung von Wissenschaft demonstriert, daß solchen Begründern das wesentliche Bedürfnis danach, wissen zu wollen, fehlt, und sie auf einen Zug aufsprangen, dessen ihn bewegenden Motor ihnen unbekannt blieb.

Lit.: Kaegelmann: Die Struktur der Erkenntnis.