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Weltanschauung, Lebensreform,
Lebenskunst, Wissenschaft
Für uns wichtiger als Wissenschaft ist Lebenskunst: die Entwicklung der
Fähigkeit, zweckmäßig, brauchbar, richtig, gut zu leben- sowohl das eigene
Leben so zu gestalten wie andere zu solcher Gestaltung anzuleiten. Solche
Entwicklung erfolgt vielfach intuitiv, aber auch unter Zuhilfenahme von
Wissenschaft, mit der auch gesichert erkannt werden kann, wieweit die
erreichte Lebenskunst ihren gewünschten Zweck erfüllt oder nicht. Lebenskunst
ist meist noch ungenügend entwickelt und bedarf ständiger Verbesserung,
damit Lebensreform. Ihr ist seit über einem Jahrhundert eine darauf spezialisierte
Lebensreformbewegung gewidmet, die spezielle Lebensweisen empfiehlt. Wie
Leben passend gelebt wird, hängt aber nicht nur von ethischen und ästhetischen
Forderungen ab, sondern auch von der Konstitution des individuellen Menschen.
Je nach Konstitution bedarf das Leben etwas anderer Gestaltung, so daß
Lebensreform nicht in gleicher Weise für alle gilt. Wie Lebenskunst und
Lebensreform betrieben werden, hängt erheblich von der jeweilig eingenommenen
Weltanschauung ab: der Einschätzung, wie die Welt beschaffen ist und nach
welchen Prinzipien gelebt werden sollte. Je richtiger = passend brauchbarer
Weltanschauung entwickelt ist, gelingen auch Lebenskunst und mit ihr schließlich
auch die passende Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Deswegen
scheint vielen zu Recht grundlegend wichtig, eine gute Weltanschauung
zu gewinnen, auf der fest gegründet ein gutes Leben gemäß Lebenskunst
und angemessener Lebensreform geführt werden kann. Zur Gewinnung passender
Weltanschauung kann Wissenschaft erheblich beitragen, denn es braucht
schon erheblichen Wissens, um genügend begründete und ausgereifte Weltanschauung
zustandezubringen. Weltanschauungen können religiös vorgegeben oder intuitiv
gewonnen oder wissenschaftlich erarbeitet worden sein. Auf allen diesen
Wegen kann genügende oder nicht genügende Lebenskunst erreicht werden.
So ist brauchbare Weltanschauung Grund und Boden brauchbarer Lebenskunst
und brauchbarer Gesellschaft. Wissenschaft kann zur Gewinnung brauchbarer
Weltanschauung beitragen, und nur mittels Wissenschaft kann gesichert
erkannt werden, wieweit eine Weltanschauung brauchbar ist. Solche Fähigkeit
zu menschenmöglich gesicherter Erkenntnis wird mittels Wissenschaft durch
völlig vorurteilslose Untersuchung alles Erreichbaren erreicht. Somit
kann eine wissenschaftliche Formation, wie Interdis und andere, nur diese
vorurteilslose Wissenschaftsforschung zur Grundlage nehmen, demgemäß nichts
anderes, da sonst anderes vorgegeben werden würde und keine vorurteilslose
wissenschaftliche Arbeit mehr erfolgen könnte. Demgemäß darf Interdis
keine bestimmte weltanschauliche Grundlage haben, kann aber zur Gewinnung
brauchbarer Weltanschauung sowie auch Lebenskunst und Lebensreform beitragen.
Auch Ethik außer der genannten wissenschaftsbezüglichen Ethik ist Wissenschaft
nicht vorgegeben, aber mit Wissenschaft kann zur Gewinnung geeigneter
Ethik wesentlich beigetragen werden.
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