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Dogmatik ist eine
der am verheerendsten wirkenden geistigen Verhaltensweisen. Religiöse
Dogmatik hat Riesenmassen ungeheuerlicher Qualen bewirkt, obwohl sie mit
echter Religiosität unvereinbar ist. Politische Dogmatik feierte im 20.
Jahrhundert mehr Triumphe als je zuvor. Mit Wissenschaft läßt sich dogmatischen
Annahmen wirksam entgegenwirken. Dennoch ist auch Wissenschaft nicht gegen
Dogmatik gefeit, wurde Wissenschaftsdogmatik möglich und erzeugt viel
Leid. Wenn bestimmte wissenschaftliche Ansichten als anerkannt gelten,
Kritik ignoriert, nicht zugelassen, gar als unerlaubt erklärt und gehandhabt
wird, ist schlimme Dogmatik auch in die Wissenschaft eingekehrt und damit
was mit Wissenschaft gemeint ist ausgeschaltet.
Dogmatik hält sich
so hartnäckig, weil sie nur von außen erkannt wird, während die von ihr
Erfaßten meinen bestmöglich zu handeln, wenn sie von ihnen dogmatisch
Verkündetes rücksichtslos durchsetzen. So ist auch wissenschaftliche und
ethische Entlarvung wissenschaftsdogmatischen Fehlverhaltens eine der
dringlichsten Aufgaben von Wissenschaft. Auch Interdis widmet sich bewußt
dieser Aufgabe.
Lit.: Neuordnung der
Wissenschaft. Thomas Kuhn: Die Struktur wirtschaftlicher Revolutionen.
Eugen Bleuler: Das autistisch-undisziplinierte Denken in der Medizin und
seine Überwindung.
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